EMIL BULLS | 23.09.2011 | MÜNCHEN


EINE WOCHE VOR DEM RELEASE DES NEUEN ALBUMS DER EMIL BULLS TRAFEN WIR UNS MIT SÄNGER CHRISTOPH DER UNS, TROTZ KLEINER ABLENKENDER HINTERGRUNDGERÄUSCHE, REDE UND ANTWORT STAND:

 

vv: am 30. september ist es endlich soweit, euer neues album „oceanic“ erscheint im handel. wie seid ihr auf den namen „oceanic“ gekommen?

 

christoph: wir wollten irgendwas, das mit ozean oder meer zu tun hat. was die musikalische weite und grenzenlosigkeit unserer musik ausdrückt. erst wollten wir „between the devil and the deep blue sea“ als titel nehmen, aber unser manager wies uns darauf hin, dass die band black stone cherry ihr album so benannt hat. daher mussten wir uns notgedrungen umentscheiden. die zweite wahl „oceans“ wurde nicht genommen, da wir wahrscheinlich ein airbrush-cover hätten machen müssen (lacht). im wörterbuch bin ich dann bei „oceanic“ hängen geblieben, man kann es mit ozeanisch oder gewaltig übersetzen. ist kürzer als „between the devil and the deep blue sea“, können sich die leute besser merken. das passt perfekt. deswegen heißt die platte jetzt so.

 

vv: welche parallelen kann man zwischen „oceanic“ und den alten alben ziehen?

 

christoph: durch die platte „phoenix“ haben wir uns endgültig die künstlerische freiheit erarbeitet, von der wir schon immer geträumt haben. unsere fans und freunde wissen, dass wir nicht nur in eine richtung gehen. mal sind wir total aggressiv und dann wieder zuckerbrot und peitsche. der erfolg von „phoenix“ hat uns gezeigt, dass die leute uns so mögen, wie wir sind und wir können jetzt mal ganz ruhig unser rezept ausbauen. auf der neuen platte ist alles noch mal krasser geworden. wir haben noch weitere musikalische grenzen überschritten, wir sind noch härter aber auch noch softer geworden. in der einen sekunde bekommst du einen hieb ins gesicht und in der anderen den trost. du weißt nie, was passiert.

 

vv: passend zum thema habe ich in einer beschreibung eines großen online shops über den stil der „oceanic“ gelesen: „eine zusammensetzung von rock über metal und wieder zurück zu popballaden“. kannst du das so unterschreiben?

 

christoph: ja! absolut! d.h. nicht unbedingt „zurück“ zu den popballaden, da wir immer balladen auf den alben haben und das funktioniert hervorragend. gerade bei den sommerfestivals haben wir gemerkt, dass die band fans aus allen lagern hat, da steht der fan im slayer-shirt neben einem im radiohead-shirt die zusammen abfeiern und genau das sollte musik machen. das macht spaß! man sitzt zwar damit auch zwischen den stühlen, aber lieber das, als in eine schublade gesperrt zu werden, aus der man nicht mehr raus kommt.

vv: wo habt ihr die inspirationen zum schreiben der neuen songs her genommen?

 

christoph:  die songs die ich für das album geschrieben habe, haben mich aus der bandsituation heraus inspiriert. als wir mit dem schreiben angefangen haben, war es sehr zäh und schwierig, da wir gerade vom touren kamen. wo andere bands eine pause machen, hieß es bei uns, hey jungs, ihr müsst ein neues album schreiben. aber das ging noch nicht, wir waren irgendwie leer, ausgebrannt, einfach fertig vom vielen touren. bis die ersten wirklich guten songs entstanden sind, war es ein sehr zermürbender und zerrender weg. wenn ich dann daheim saß, hat mich die situation, in der sich die band momentan befand, zum schreiben inspiriert. ich habe die texte aber so offen gehalten, dass sie jeder auf seine persönliche lebenslage beziehen kann. auch wenn es mal schwierig ist, man muss einfach weiter machen und irgendwann kommts dann schon. es gibt z.b. songs wie „all systems go“ die dieses thema behandeln.

 

vv: wie ist dein resümee? bist du zufrieden mit dem ergebnis der platte?

 

christoph: ja, ich bin sehr zufrieden! es war ein langer kampf mit langer produktion, der mix wurde zweimal gemacht, weil wir mit der ersten version nicht zufrieden waren, aber als resümee kann ich sagen: wahnsinn, es ist unser bestes album, sagt jede band über ihre aktuelle platte (und ich vermeide diese aussage eigentlich) aber in dem fall kann ich es wirklich unterschreiben. es ist das vielschichtigste ding, was wir je gemacht haben, emil bulls so wie sie 2011 klingen sollen und klingen müssen und wir hoffen, dass es andere auch so sehen. wir sind alle sehr sehr glücklich mit dem ergebnis.

 

vv:  hast du denn schon einen lieblingssong?

 

christoph: das kommt, glaub ich, noch. wenn man sich nach der produktion die platte anhört, hat das von tag zu tag variiert. die lieblingslieder sind bei mir immer erst live entstanden. manche sind mega anstrengend und wenn die leute nicht so drauf reagieren, magst du sie nicht so gern. aber es gibt songs, die du gerne performst und auf die die leute geil abfeiern und die kristallisieren sich meist als die favoriten heraus.

 

vv: wird es live hauptsächlich die neuen songs zu hören geben oder behaltet ihr einen gesunden mix aus allem?

 

christoph: das ist momentan eine wirklich gute frage, weil die setlist noch nicht ausdiskutiert wurde. je mehr alben wir haben, desto weniger kannst du von den alten alben spielen. zum glück sind wir nicht nur auf alte kamellen angewiesen bzw. die leute kommen nur weil sie ein altes album hören wollen. es wird auf jeden fall einen haufen neuer songs geben, aber natürlich auch ein best of der alten sachen. leider kann man keine 3 1/2 stunden spielen, denn dann würde man ein konzert spielen und die tour wäre vorbei. aber die all-time-favourites gehören natürlich immer dazu. es wird viele diskussionen und wahrscheinlich auch streit um die setlist geben (lacht), aber wir entscheiden das auf jeden fall demokratisch.

vv: wer ist „josephine“? (5. song auf oceanic „not tonight josephine“)

 

christoph: lustig, dass du diese frage stellst! als ich dem song den titel gegeben hab, habe ich mich schon gefreut, dass alle fragen werden: wer ist josephine? aber du bist die erste oder zweite. „not tonight josephine“ ist entstanden, weil napoleon mal zu seiner geliebten gesagt hat „not tonight josephine“, als er keinen bock auf sie hatte. das wurde ein synonym für eine sache, auf die man gerade keinen bock hat. es geht nicht um ein mädel, es kann der job, das privatleben, es kann die band sein, das bleibt jedem selbst überlassen sein, was er damit anfängt. platz für spekulationen bleibt somit. (lacht)

 

vv: das video zu „jaws in oblivion“ wurde in einer atemberaubenden kulisse gedreht. wo war das und wer hatte die idee dazu?

 

christoph: die idee kam, muss ich jetzt mal sagen, von mir. ich wollte schon immer mal ein berg-video machen und habe vorab schon mal ein kleines treatment geschrieben von dem ich aber dachte, dass es nie umzusetzen ist. ich habe die alpspitze bzw. den alpsee bei garmisch vorgeschlagen, der unterhalb der zugspitze liegt. ich hätte nie im leben gedacht, dass wir da mal mit motorbooten drauf rum fahren können, dass wir überhaupt eine drehgenehmigung bekommen. ich habe befürchtet, dass das hier in bayern ganz schlimm wird mit behördenauflagen, aber nachdem sich regisseur und kameramann schlau gemacht haben, hat alles funktioniert. eine szene funktionierte leider wegen des naturschutzes nicht: es existiert eine kleine vogelinsel, auf die genau die band gepasst hätte, also eine bühne auf dem see, aber wir haben es völlig verstanden, dass wir da nicht drauf durften. ansonsten hat alles funktioniert, wie wir es wollten. und ich finde es cool, dass mal eine rockband ein video gemacht hat, was anders ist. nicht mit saufen, party und halb-nackten frauen. anfangs war ich mir etwas unsicher, nicht dass es wieder heisst, die bayern machen ein patriotisches heimatvideo – aber ganz im gegenteil. wir haben durch die bank weg positive resonanz bekommen. auch andere bands haben angefragt, wo wir das video gedreht haben, ob wir in kanada oder island waren? (lacht) es bestätigt, dass es so geworden ist, wie wir es wollten. zwei geile tage bei sonne und in geiler natur, hat echt spaß gemacht.

 

VIELEN DANK FÜR DAS SEHR ANGENEHME INTERVIEW. WIR FREUEN UNS AUF DIE KOMMENDE TOUR UND DEN 30.09.2011.

 

23.09.2011 | patricia