SONISPHERE | 23. – 24.06.2011 | BASEL/SCHWEIZ | ST. JAKOB AREA


 

HOCHKARÄTIGES CHAOS


am 23. und 24.06. ist das wanderfestival sonisphere in basel in der schweiz zu gast. bekanntlicher weise trumpft die festivalreihe immer mit einem bombastischen line-up auf,  jedoch auch mit schlechter organisation und überteuerten preisen. je nach veranstaltungsland variiert das festival mit einer dauer von einem bis drei tagen. in basel wurde die st. jakob area für zwei tage gemietet. da die tickets nicht den erwarteten, reißenden absatz gefunden haben, wurde eine der vier bühnen vom stadion in die halle verlegt, anderenfalls wäre es eine pure verlustveranstaltung geworden. bei ticketpreisen für ein normales tagesticket (freitag) von 140 euro auch kein wunder. nach oben ist die grenze offen, da es weitere vip-upgrades gegen moneten gibt. am ersten und zugleich kurzen tag des sonisphere-festivals treten auf zwei bühnen shakra, buck cherry, the damned things, duff mckagan’s loaded, whitesnake und judas priest auf. da wir noch nicht durch anwesenheit glänzten, berichten wir hier ausschließlich über den zweiten tag, freitag, 27.06.2011. die ankunft scheint bereits sehr chaotisch, fans irren umher und suchen nach kassen sowie ständen wo tickets gegen bänder getauscht werden können, der schwarzmarkt blüht.  wer denkt draußen herrscht chaos, kann sich schon auf den bereich nach der weniger intensiven einlasskontrolle freuen. für fünf türen ist ein security verantwortlich. verwirrt schaut er umher, vermutlich auf der suche nach den festivalbändchen an den handgelenken.  stoffbänder mit aufdruck „sonisphere 2011 basel/schweiz“ wünschten sich die fans, doch alle mussten sich mit unbedruckten farbigen papierbändern zufrieden geben. vermutlich wurden diese in der herstellung für ca. 1,36 euro beim ticketpreis nicht berücksichtigt. pech für die festivalfreunde. taschenkontrolle am eingäng entfällt genauso wie das personal, bei dem sich nach weg und sonstigen informationen erkundigt werden kann. die armen promoter für oropax sind somit die leidtragende ersatz infostelle. für die suche der bühnen können sich die festivalbesucher reichlich zeit einplanen, denn dabei handelt es sich um die suche einer nadel im heuhaufen. spärlich hängen lagepläne aus, die auch beim logischen verständnis und ohne links-/rechtsschwäche schwer nachvollziehbar sind. gedruckte pläne mit lineup und lageplan – fehlanzeige. auch diese 0,11 euro wurden wohl bei der kalkulation vergessen. vereinzelt konnten schilder entdeckt werden die zur bohemia oder red bulls-stage führen, aber das war auch schon alles. besonders viel freude bereitet den fans die suche der apollo stage, auf der größen wie slipknot und iron maiden spielen. beschilderung nicht vorhanden. wenn man davon aus geht, dass die mengen nicht zum parkplatz, sondern zur dahinter gelegenen apollo stage möchten, wird man doch irgendwann fündig. aber nun von anfang an zu den musikalischen darbietungen. unsere reise führt uns zur apollo stage und der us-amerikanischen band alter bridge. von weitem müssen wir feststellen, dass die gerüchte, die erste absperrung sei ausschließlich für „golden ticket“-besitzer, zum teil wahr ist. nur menschen mit einem grünen band werden in den ersten bereich gelassen, welcher gerade mal zu einem drittel gefüllt ist. ganz nach der divise „mehr zahlen oder eher erscheinen“, denn die „golden circle tickets“ konnten für mehr geld als regulär schon käuflich erworben werden.  außerdem, so wurde uns mitgeteilt, haben die ersten 500 gäste auch ein grünes bändchen bekommen. wo sich diese 500 nun befinden, fragt sich wohl jeder mit einer anderen farbe am handgelenk. dies hat zur folge, dass die armen securities endlosen diskussionen mit den mehr als gereizten festivalbesuchern ausgesetzt sind. zwischenzeitlich wird großzügiger weise, in sporadischen abständen, eine kleine menge in den leeren, vorderen bereich gelassen. durch diese, nennen wir es mal, besondere organisation kommt bei alter bridge kaum stimmung auf. das publikum der vorderen reihen, welches fast ausschließlich aus slipknot- und iron maiden t-shirt trägern besteht, besetzt die ersten reihen hartnäckig, während die fans von alter bridge weiter hinten stehen, die die euphorie jedoch leider nicht bis zur band transportieren können. zu beginn der darauf folgenden band limp bizkit werden weitere menschen in die erste absperrung gelassen, ob diese entscheidung beim veranstalter oder bei den verwunderten bands und deren crews liegt, kann nicht gesagt werden. durch die näherenden fans wird die stimmung besser und besser. beginnend mit „break stuff“ packen limp bizkit um sänger fred durst ihre ganzen kracher aus. „hot dog“, „take a look around“ sowie zwei neue songs begeistern die menge, bevor der auftritt mit dem letzten song „rollin“ den höhepunkt findet. „behind blue eyes“ bei einem großen metal-festival zu spielen sei weiterhin umstritten und kommt auch nur bei den am arm der männer klemmenden frauen gut an. die vorbereitung geht los, die kontrovers diskutierte nu-metal band aus iowa erscheint auf der bühne: slipknot . die aufregung steigt, nicht nur bei uns ins unermessliche und los geht es zwar mit einem viel zu langen intro, wird jedoch gefolgt von einer genialen setlist mit songs von allen alben.  mit den männern aus iowa auf der bühne bekommt niemand lange weile, denn es ist immer etwas los. ob wild gestikulierende, kletternde, stagedivende oder crowdsurfende maskenmänner, alles ist dabei. sänger corey taylor fordert die menge bei „spit it out“ auf, sich hinzusetzen und bei „jumpdafuckup“ genau dieses zu tun. den slipknot-anhängern ist diese aktion sehr wohl bekannt und so sitzen sie teils schon vor coreys aufforderung auf dem boden. nicht erst jetzt, bereits seit anfang der show ist das publikum voll dabei, was slipknot auch auf ganzer linie zu schätzen wissen. diese tour wird als tribute für den im mai 2010 verstorbenen bassisten paul gray gespielt. der anzug und die erste maske von paul stehen auf der bühne neben den bandkollegen und werden mehrfach während der show respektvoll berührt. wen diese show nicht von anfang bis ende genossen hat, dem sei auch nicht mehr zu helfen. verhältnismäßig wenige fans verlassen nach dem auftritt das feld, denn es folgen iron maiden. für uns geht es allerdings weiter in die bohemia stage, wo schon die metalcore-band bring me the horizon auf der bühne steht und ihren besten auftritt überhaupt abliefern. das sieht nicht nur die band so, sondern auch die fans. die bandmitglieder singen und spielen über den köpfen des publikums, mitten drin, auf den sitzplätzen, in den ersten reihen und im graben. die fans singen mit, werden zum „high five“ und crowdsurfen aufgefordert, dürfen auf die bühne und und und.  so einen belebten auftritt haben wir noch nie gesehen. die band war sichtlich überwältigt, nachdem sie das set nach 60 minuten spielzeit beendet haben, die fans ziehen verschwitzt weiter. nach einer kleinen pause und einer großen verspätung beginnen papa roach mit „getting away with murder“ ihre energiegeladene show auf der saturn stage. auch über den auftritt von papa roach lässt sich nichts negatives sagen, im gegenteil, die vier herren aus sacramento geben immer professionell alles auf der bühne. der abschluss wird mit „last resort“ zelebriert, jetzt fangen auch die nicht-fans das bangen der köpfe an.  die pause vor in flames zieht sich, doch in dieser zeit füllt sich sowohl die arena als auch die sitzplätze bis fast unter die decke. sicherlich verirren sich auch einige in die saturn stage, um sich von den verganenen genialen shows auszuruhen, trotzdem herrscht eine perfekte atmosphäre während des kompletten in flames auftritts.  als headliner des abends treten auf dieser bühne in extremo auf, für uns allerdings endet der abend nach in flames. zusammenfassend kann bzw. muss über das sonisphere gesagt werden, dass nirgends ein festival mit einer solch schlechten organisation auf sich aufmerksam gemacht hat. die running order am tag des festivals noch zu verändern, ist ein absolutes no-go, ebenso wie die zeitliche verschiebung einzelner bands mit ankündigung auf einem a4-zettel an einer seitentür weit weg von der halle, in welcher sie hätten auftreten sollen . die benötigte strommenge wurde scheinbar bei den sick puppies unterschätzt und es folgte, wie nicht anders zu erwarten, ein stromausfall auf der größten der vier bühnen. alles dinge die heutzutage definitiv vermeidbar sind, vor allem bei solch horrenden preisen an allen ecken (5 chf = 4,10 € für ein wasser zu verlangen halten wir für etwas überteuert). glücklicherweise können die missstände durch die genialen, wenn nicht sogar perfekten auftritte der bands ausgeglichen werden. wenn die lieblingsbands beim sonisphere spielen und man auf service etc. keinen wert legt, ist das festival trotzdem eine überlegung wert.

 

24.06.2011 / patricia

___________________________________________________________________________

FOTOS findet ihr hier

___________________________________________________________________________